Was ist das Besondere der Liebfrauenschule Bonn?

Auch wenn es kein eindeutiges wissenschaftliches Beweismaterial dafür gibt, dass Schulbildung getrennt nach Geschlechtern sinnvoller ist als gemischte Schulbildung, gibt es jedoch Untersuchungen und Meinungen, die sowohl die Vorteile von Geschlechtertrennung in Schulen darlegen. Einige Untersuchungen legen nahe, dass eine Geschlechtertrennung in Schulen dazu beitragen kann, dass Mädchen und Jungen ihre akademischen Leistungen verbessern, da sie möglicherweise in einer Umgebung, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, besser aufgehoben sind. Beispielsweise haben einige Studien gezeigt, dass Mädchen in geschlechtergetrennten Schulen in naturwissenschaftlichen Fächern – Stichwort MINT – besser abschneiden.

Schülerin Emma Holocher, die jetzt die Liebfrauenschule in Bonn besucht, findet es wichtig, dass Mädchen einen „Safe Space“, einen geschützten Raum, haben, indem sie sich über technische Themen austauschen können. Hier sei auch die Angst, Fehler zu machen, nicht so groß. Sie ging früher auf eine gemischte Schule, wo sie nicht so viel Unterstützung erhielt, wie sie sich gewünscht hätte.
General-Anzeiger vom 01.04.2023

Die Liebfrauenschule Bonn ist mit ihrem Format das beste Beispiel für eine Schule, die auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen eingeht und so eine positive und unterstützende Lernumgebung schafft. Die Schule vermeidet es, Stereotypen aufrechtzuerhalten und ermöglicht es den Schülerinnen, ihr Potenzial in einer vielseitigen Gesellschaft selbstbewusst auszuschöpfen, indem das Schulformat sich auf die individuellen Fähigkeiten und Interessen ihrer Schülerinnen konzentriert. Hier hat die Klasse 6a zu Papier gebracht, was für sie das Besondere an ihrer Liebfrauenschule ist.

Nicht nur interne Stimmen sind besorgt über die geplante Schließung der Liebfrauenschule Bonn (LFS Bonn) und hoffen darauf, dass die Entscheidung des Erzbistums Köln zurückgenommen wird. So ist auch Prof. Dr. Annette Scheersoi von der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die eng mit der LFS Bonn zusammenarbeitet, entsetzt. Als eine von drei Partnerschulen in Deutschland war und ist die LFS Bonn maßgeblich an zwei bedeutenden europäischen Forschungsprojekten zum naturwissenschaftlichen Lernen beteiligt. Frau Scheersoi betont, dass insbesondere das deutliche MINT-Profil und der monoedukative Ansatz der Liebfrauenschule Bonn im Vergleich zu den anderen Partnerschulen den Unterschied ausmachen.

Statements zum Erhalt der Liebfrauenschule:

2 Gedanken zu „Was ist das Besondere der Liebfrauenschule Bonn?

  1. Laura Herz

    Mein Besuch an der LFS zwischen 1985 und 1993 hat einen entscheidenen Einfluss auf meine weitere berufliche Laufbahn gehabt. Ich hatte zunächst an einem staatlichen Gymnasium in Bonn in der fünften Klasse angefangen. Dort waren die Zustände chaotisch, und Mädchen wurden im Physikunterricht weitgehend ignoriert. Ich wussten oft nicht einmal, was die Fragestellung im Unterricht war. Meine Noten begannen zu sinken (Mathematik: 4, Physik: 3), mein Interesse verschwand. Meine Eltern transferierten mich Mitte der sechsten Klasse an die LFS – sofort verbesserte sich alles. Als Mädchen hatten wir am LFS eine Möglichkeit, uns auch in den eher männlich dominierten Fächern zu entwickeln, und ich machte Abitur mit Mathematik und Physik als Leistungskurse (1+).
    Heute bin ich Physikprofessorin an der Universität Oxford. Das wäre ohne die LFS nie möglich gewesen. Wenn wir wirklich wollen, das auch Mädchen und Frauen an MINT Fächern teilnehmen, dürfen wir solche Schulen nicht schließen!

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  2. Claudia Lüth

    Seit bald 30 Jahren besuche ich in meiner Funktion als Jugendreferentin der Theatergemeinde BONN e.V. die Liebfrauenschule, um dort unsere Theaterangebote für alle von der Klasse 5 bis zum Abitur vorzustellen und die Schüler:innen für Theaterbesuche zu gewinnen und zu begeistern. Jedes Mal war und bin ich sehr angetan von der angenehmen und unterstützenden Atmosphäre in dieser Schule, dem freundlichen Umgang untereinander, dem großen Engagement der Lehrer:innen, den Mädchen auch außerschulische Angebote ans Herz zu legen und sie – in ihrer Freizeit – dabei zu begleiten und gesehene Vorstellungen im Unterricht nachzubesprechen. Es ist toll, wenn eine Schule – neben den MINT-Fächern – auch den Besuch von Theater- und Opernvorstellungen oder Konzerten als wesentlich für die Persönlichkeitsbildung erachtet und ihnen Raum dafür gibt. Dies schlägt sich auch in vielen eigenen kreativen Projekten in der LFS nieder, wie z.B. Theater- oder Musicalinszenierungen, von denen so manche Einzug in unser jährliches Schultheaterfestival spotlights fanden. Diese Schule bietet ihren Schülerinnen so vieles an und unterstützt sie in ihrer individuellen Entwicklung – sie darf nicht einfach geschlossen werden! Ich verstehe diese Diskussion überhaupt nicht! Das würde nicht nur einen großen Schmerz bei den dort beschäftigten Lehrkräften auslösen, sondern auch bei den Schülerinnen – und großes Unverständnis bei allen, die sowieso schon im Hader mit so mancher Handlungsweise der Katholischen Kirche liegen.

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